school and education

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Kolumne: Der Weg zum Gl├╝ck f├╝hrt ├╝ber eine Baustelle
Klassenr├Ąte

Heute standen meine Klasse und ich vor einem lang erwarteten, aber immer wieder verdr├Ąngten Problem. Der Klassenrat sollte stattfinden, aber niemand hatte ein Thema. Dies war ├╝beraus ung├╝nstig, denn letzte Woche hatten wir einige neue Regeln eingef├╝hrt, die es unbedingt auszuprobieren galt. Eigentlich ist es gut, wenn eine Klasse keine Probleme hat. F├╝r unsere Situation war es katastrophal.

Wir ├╝berlegten bis wir Kopfweh bekamen. M├Âglichst langsam stellten wir die St├╝hle in den Kreis. Vor lauter Nachdenken rauchten die ersten K├Âpfe. Mit Grabesstimme (dem Vorleser riss n├Ąmlich schon die Hirnhaut) wurde das Protokoll verlesen. Die positive Runde brach an. Schon waren die ersten Sch├Ądel gespalten. Langsam wurde die Aufsicht ungeduldig und wedelte mit Mathearbeitsbl├Ąttern. Doch da kam die Erleuchtung. Eine Stimme aus dem Hintergrund rief: ÔÇ×Ist es nicht Zeit f├╝r Neuwahlen?ÔÇť

Vor Erleichterung schlossen sich die gespaltenen Hirnschalen wieder. Und die Wahlen begannen.

Soviel zu meiner Klasse und mir. Seit es den Klassenrat gibt, geschehen diese Szenarien immer wieder, mal mehr extrem, mal weniger. Und immer geht in den R├Ąten drunter und dr├╝ber. Wir kommen zu sinnlosen Themen, wie zum Beispiel die Einf├╝hrung des Absolutismus unter einem kommunistischen F├╝hrer in die Klassengemeinschaft. So schlagen wir unsere Zeit tot. Wirkliche Probleme gibt es kaum, denn seit der Einf├╝hrung des Klassenrates haben sich alle Sorgen und N├Âte verfl├╝chtigt. (Daher kann man schon sagen, dass der Rat etwas gebracht hat.)

Angenommen, man w├╝rde eine Schachtel, gef├╝llt mit Zetteln, auf denen verschiedene Ideen, die man im Klassenrat diskutieren k├Ânnte, in den Raum stellen und zu jedem Klassenrat einen Zettel ziehen. W├╝rde dann der Klassenrat richtig genutzt werden? Vielleicht w├╝rden dann auch ruhigere Sch├╝ler*innen auftauen, ihre Gedanken anbringen und sich darin ├╝ben, auch im ÔÇ×richtigenÔÇť Klassenrat ihre Anliegen vortragen.

Die andere Option w├Ąre, nur einmal monatlich einen Klassenrat zu halten und sich dann dort zu beraten. Allerdings wage ich dies nicht vorzuschlagen. Am Ende werde ich deswegen im Klassenrat wegen einer unschicklichen Bitte zur Protokollantin auf Lebenszeit degradiert (obwohl, dann h├Ątten wir wenigstens EINMAL ein richtiges Thema gehabt).

SchreibHype - (anonym)