Gespräch mit der Zeitzeugin Hanna Weismann im Jüdischen Museum Galizien in Krakau am 19.5.2026

Das Gespräch mit der polnischen Zeitzeugin Hania (Hanna) Weismann-Rosenberg war äußerst eindrucksvoll, bewegend und aufschlussreich.
In einer gut strukturierten und anschaulichen Präsentation vermittelte sie uns – unterstützt durch eine Dolmetscherin – ihre Erfahrungen als kleines Kind während des Holocaust sowie das Schicksal zahlreicher Mitglieder ihrer Familie. Sie schilderte eindrücklich, wie ihre Heimatstadt unter der nationalsozialistischen Besatzung und dem Terror der Nationalsozialisten litt.
Besonders bewegend war ihre Schilderung der Zeit, in der sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester im Versteck leben musste, um der Verfolgung und Deportation zu entgehen. Über einen langen Zeitraum waren sie gezwungen, unter äußerst schwierigen Bedingungen verborgen zu leben und ständig die Entdeckung durch die Nationalsozialisten zu fürchten. Dass die Familie diese Zeit überlebte, war nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis von Mut, Zusammenhalt und auch glücklichen Umständen. Im Gegensatz zu vielen anderen jüdischen Kindern ihrer Generation hatte sie das große Glück, die gesamte Zeit über bei ihrer Mutter bleiben zu können.
Besonders beeindruckend war die Genauigkeit, mit der sie die Geschichte ihrer Familie rekonstruiert und dokumentiert hatte. Mithilfe zahlreicher Hintergrundinformationen und eines detaillierten Familienstammbaums ermöglichte sie uns ein tieferes Verständnis der historischen Zusammenhänge und der Auswirkungen der Verfolgung auf einzelne Familien.
Im Anschluss an den Vortrag hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die übersetzt und von der Zeitzeugin ausführlich beantwortet wurden. Dieser direkte Austausch machte die Begegnung besonders wertvoll und persönlich.
Obwohl Frau Weismann-Rosenberg ihre Erlebnisse naturgemäß aus ihrer eigenen Perspektive schilderte, war ihre Darstellung von großer Sachlichkeit geprägt. Dadurch wurden die historischen und gesellschaftspolitischen Hintergründe des Holocaust nicht überlagert, sondern vielmehr in einen nachvollziehbaren und persönlichen Zusammenhang gestellt.
Wir erachten dieses Gespräch als besonders wichtig, weil persönliche Erinnerungen und Erfahrungen einen Zugang zur Geschichte ermöglichen, der weit über die reine Vermittlung von Daten und Fakten hinausgeht. Durch die Schilderungen des Alltags, des Lebens im Versteck und der individuellen Erlebnisse wurde die Geschichte greifbarer und nachvollziehbarer, als dies allein durch Bücher oder Unterrichtsmaterialien möglich gewesen wäre. Die Zeitzeugin appellierte am Ende an uns als zukünftige Generation, jeder Form von Diskriminierung und Hass entschlossen entgegenzutreten. Solche Begegnungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und verdeutlichen, weshalb die Auseinandersetzungmit der Vergangenheit auch für heutige Generationen von großer Bedeutung ist. Wir sind sehr froh und dankbar, diese Erfahrung noch machen zu dürfen. Im Anschluss haben wir uns bei Frau Weismann-Rosenberg herzlich bedankt und konnten ein gemeinsames Erinnerungsfoto mit ihr aufnehmen. Sie war sehr angetan von unserer Gruppe und den vielen Fragen und hat sich für unser Interesse bedankt.

von Leano