Schülerrede zum Abitur 2014

Adrian2Adrian Bothe hielt bei der Abiturzeugnisverleihung im Juli 2014 als Vertreter der Abiturientinnen und Abiturienten folgende Rede:

"Liebe Mitabiturientinnen und Mitabiturienten, liebe Eltern und Lehrer. Wir haben jetzt offiziell die Schulzeit überstanden. Nicht nur das, wir haben die Schule mit Erfolg abgeschlossen. Vorbei. Und jetzt sitzen wir hier zusammen und feiern diesen Schulabschluss. Darauf haben wir die letzten Wochen, ja die letzten Jahre gewartet. Noch ein letztes Mal Anstrengung und Spannung, doch jetzt haben wir es hinter uns. Zwölf Jahre Schule, an diesem Tag nimmt das alles ein Ende, wir schließen triumphal eine Ära unseres Lebens ab. Eine neue Zeit liegt vor uns. Wir lassen die Vergangenheit hinter uns und beginnen einen neuen Lebensabschnitt.

 

Klischeehafte Sprüche, die immer wieder bei solchen Gelegenheiten fallen: Wir seien nun "frei", "verantwortlich", "selbstständig". Ein Wandel im Leben, in der Gesinnung. Das Abitur als Ende der Schulzeit? Es klingt trivial, ist jedoch bei weitem nicht realistisch. Nachvollziehbar mögen diese Aussagen sein, man sieht es als Abschluss des Kapitels "Schule". Das Abitur ist wahrscheinlich die höchste Auszeichnung, die wir alle in unserem bisherigen Leben erreicht haben. Ist unser Abi wirklich die absolute Freikarte in Ausbildung, Beruf oder Studium? Morgen beginnt ein neues Level unseres Lebens. Das erste Level "Schule" ist zu Ende. Das kräftezehrende Finale des vergangenen Levels haben wir überstanden. Dabei zählt nicht immer, wie viele Punkte wir gesammelt haben, ob wir Umwege in Kauf genommen oder Vorsprünge genutzt haben. Wir haben das Level beendet und stehen mit dem Abitur nun am Savepoint. Im Gegensatz zur Spielanalogie gibt es kein wirkliches Zurück in die Schulzeit, keinen Neustart. Das Abitur sichert uns vor allzu großen Rückfällen in der Zukunft ab. Wir können uns also Risiken, Fehltritte, Umwege oder Sackgassen erlauben. Wir sammeln Erfahrungen und müssen trotzdem nicht befürchten, den Fortschritt zu verlieren. Jetzt heißt es ein wenig ausruhen und wir können weiter machen. Die Ziele für das nächste Level setzen wir uns jetzt selbst, wir streben ein Studium oder eine Berufsausbildung an. Doch machen wir uns nichts vor, das erste Level "Schule" wird unter allen, die noch folgen, das leichteste gewesen sein. Warum? Weil wir andauernd mit Power-Ups versorgt wurden, die uns das Bestreiten der Schulzeit einfach machen sollten. Es lag bestimmt an der Familie und an unseren Freunden, aber in erster Linie waren es unsere kompetenten Lehrer, die uns alle bis hier an die Ziellinie gebracht haben. Es ist nicht selbstverständlich, dass man in einem Land so gute Bildungsangebote hat, wie in Deutschland, und es ist genauso wenig selbstverständlich, dass es genug Menschen gibt, die Lehrer werden, um Schülern ihr Wissen weiterzugeben. Deshalb bin ich unheimlich dankbar, dass ich Lehrer hatte, die mich aktiv unterstützt haben, weil sie mir und uns allen die besten Chancen für die Zukunft ermöglichen.  Es bleibt zu hoffen, dass wir auch in den nächsten Levels, die wir bestreiten, so gute und um unser späteres Leben besorgte Professoren, Ausbilder, und später Arbeitgeber an unserer Seite wissen können. Was jedoch im nächsten Level vor allem zählt, ist der Ehrgeiz unser aller weiterzumachen und uns zu steigern, unsere Ziele und Träume zu verwirklichen und nicht aufzugeben. Das Abitur ist keine Freikarte, auf der wir uns wie auf Lorbeeren ausruhen sollten. In den nächsten Monaten und Jahren zählt vor allem unser Engagement und unser Einsatz. Wir müssen neue Motivationen haben, wenn wir ein Studium oder eine Ausbildung angehen, und wir müssen an diesem Punkt unseres Lebens darüber nachdenken, was wir erreichen wollen und wieviel wir dafür einzusetzen bereit sind. Denn das Abitur macht nicht von heute auf morgen einen selbstständigen, verantwortungsvollen, erwachsenen Menschen aus uns, das müssen wir selbst aus uns machen. Das einzige, was uns morgen von gestern unterscheidet ist, dass wir das Abitur in unseren Händen halten und damit für das nächste Level zugelassen sind. Vor 200 Jahren nannte man die Zeit nach dem Schulabschluss Mulus-Zeit, nach dem lateinischen Wort für Maulesel. Dieser Begriff sollte damals verdeutlichen, dass wir nach dem Abitur zwar keine Esel mehr sind, aber auch keine Pferde, gewissermaßen Maulesel. Darin liegt der eigentliche Kern des Abiturs, wir werden dadurch nicht alle automatisch zu einer anderen Person, sondern bleiben zunächst so, wie wir uns bisher entwickelt haben. die entscheidenden vor allem sozialen Kompetenzen haben wir uns in den letzten Jahren, besonders in der Oberstufe, zugelegt. Dennoch bleiben wir weiterhin Schüler und ich denke, das würden auch unsere Lehrer noch heute von sich sagen: wir wachsen morgen in einer neuen Generation auf und zudem in so schnellem Wandel, dass das theoretische Wissen, das wir in der Schule lernten, jeden Tag nur durch die Entdeckung eines Teilchens von der millionstel Größe einer Stecknadelspitze komplett über den Haufen geworfen werden kann. Umso wichtiger, dass wir uns die bleibenden Kompetenzen Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Toleranz behalten und verbessern. Es liegt in unserer Verantwortung, was wir aus unserer Schulzeit neben dem Abizeugnis mitnehmen Ich für meinen Teil werde versuchen, auch wenn es schwer fallen kann, die entstandenen Kontakte und Freundschaften aufrecht zu erhalten. Ich kann euch nur ans Herz legen, das Kapitel "Schule" nicht zu vergessen, weil wir alle, da bin ich mir sicher, noch oft darauf zugreifen werden müssen. Abschliessend kann ich nur sagen, dass ich die vergangenen zwei Jahre mit euch als meinem Jahrgang in der Oberstufe sehr genossen habe und dass ich uns allen wünsche, im nächsten Level das zu erreichen, was wir uns vornehmen. Danke."

Adrian Bothe hat eine eigene Homepage. Er möchte Biologie studieren.

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