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Sally Perel ( Hitlerjunge Salomon ) besucht das Lessing-Gymnasium

2017 Sally PerelAuf Initiative des Fachbereiches Ge/Pw besuchte der Zeitzeuge Sally Perel schon zum zweiten Mal das Lessing-Gymnasium. Es herrschte eine gebannte Stille, während er seine einzigartige Lebensgeschichte erzählte. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich dem Bann, den der Lebensweg des inzwischen 92-jährigen Überlebenden des Holocaust hervorrief, nicht entziehen. Seine Geschichte ist so voller Zufälle, Tragik und Aberwitz, dass sich kein Buchautor so etwas hätte ausdenken können.

 

 

Perel berichtete, wie er eine glückliche Kindheit in Peine nahe Braunschweig verbrachte, bis die Nürnberger Rassengesetze dieser Phase 1935 ein Ende setzten und er der Schule verwiesen wurde. Er floh mit seiner Familie nach Lodz in Polen. Nach dem Angriff der Deutschen auf Polen floh er weiter mit seinem Bruder in die Sowjetunion. Als er zwei Jahre später auf der Flucht aus einem sowjetischen Waisenhaus von deutschen Soldaten aufgegriffen wird, glauben diese ihm wie durch ein Wunder, dass er Volksdeutscher sei, während alle anderen Juden selektiert und im Wald erschossen werden.
Nach dem Motto „Wenn die Wahrheit dich töten will, dann lüge" beginnt so für Perel, der von da an Josef heißt, ein Leben an der Front und später an einer Eliteschule der HJ. Er überlebte den Holocaust „in der Haut des Feindes". Der Jugendliche Sally lebte in der ständigen Angst, in ‚Rassenkunde' als Jude entlarvt oder dabei ertappt zu werden, wie jeder jüdische Junge beschnitten zu sein. Perel war auch selber, als Jude, nicht gegen das Gift gefeit, das die Nationalsozialisten den deutschen Jugendlichen einflößten. Genau davor möchte Perel mit seinen Vorträgen warnen. Als Überlebender und einer der letzten Zeitzeugen will Sally Perel die Erinnerung an Auschwitz, als einen Mahnort für den Genozid an den Juden und das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, wachhalten und betonen, dass es den Horror von Auschwitz wirklich gegeben hat. Diesen Auftrag übertrug er an all seine Zuhörer.
Perel, der nach Kriegsende nach Israel ausgewandert ist, nimmt seine Rolle als Friedensstifter auch in der israelischen Friedensbewegung wahr.
Trotz des sehr ernsten Themas des Holocausts herrschte während der Veranstaltung, die von Herrn Möritz moderiert wurde, keine gedrückte Stimmung, und es wurde sogar ab und an gelacht, wenn er eine witzige Episode aus seinem Leben erzählte.
Wegen der guten Stimmung und der fesselnden Erzählung stieß der Vortrag auf sehr viel positive Resonanz. Am Ende beantwortete Sally Perel Fragen der Schülerinnen und Schüler, auch sein Angebot, sein Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon" zu signieren, stieß auf großen Andrang. Die Lesung war ein Erfolg und eine Bereicherung für unsere Schule. Ein Zeitzeuge ist wirklich authentischer, als es ein Buch, ein Film oder ein Geschichtslehrer je sein kann.

Text: M. Kemnitz 

Foto: T. Möritz

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