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Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen

2017 Es ist gefährlichDie Zukunft scheint uns allen so weit entfernt und unsere Wünsche schwer zu verwirklichen. Nicht wahr? Nun, am Dienstag den 04.04.2017 machte ich eine Erfahrung, die mich das Gegenteil lehrte. Meine Klasse und ich lernten eine interessante Person kennen, 22 Jahre alt, weiblich, erfolgreich und kreativ. Ulla Scheler, heißt sie. Studentin. Vorbild. Autorin.

Auf die Frage, wie lange sie denn schon Schriftstellerin sei, antwortete die Frau: „Ich definiere jede Person, die freiwillig schreibt, als einen Schriftsteller. Also kann man sagen, dass ich schon von klein auf eine Schriftstellerin war.“

 

 

Fangen wir doch mal damit an, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass wir sie kennenlernen konnten. Nach der ersten Schulstunde, fuhren wir zusammen mit Frau Schenkel und Frau Kulke-Minke zur Schiller-Bibliothek am Leopoldplatz. Dort trafen wir auf zwei weitere Klassen aus zwei anderen Schulen. Alle verfolgten ein Ziel: an der Lesung des neuen Buches „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ teilzunehmen. Nach kurzer Zeit wurden wir reingelassen und einige meiner Mitschüler stürmten zu all den Büchern, die sie schon gelesen hatten und verglichen ihre Bibliotheksausweise. Wir waren insgesamt um die 100 Personen, dennoch war es schön geordnet und ruhig.

Die Autorin selbst überraschte mich mit ihrem Elan, denn zuvor hat uns die Bibliothekarin erzählt, dass die Schriftstellerin seit der Leipziger Buchmesse, welche zwei Wochen vorher stattfand, unaufhörlich von Lesung zu Lesung durch Deutschland gefahren war. Jedoch war Ulla Scheler zu dem Zeitpunkt, als sie die Lesung hielt, sehr lebendig und zufrieden. Sie präsentierte uns voller Stolz ihr erstes Buch und antwortete enthusiastisch auf alle Fragen. Sie erzählte uns von ihrer Schulzeit: „Ich selbst mochte es damals sehr, zu Lesungen zu gehen, da das ja immer bedeutete, dass wir Freistunden hatten.“

Wir erfuhren, dass sie mit 16 Jahren angefangen hatte, das nun gedruckt erschienene Buch zu schreiben. Aus all ihren Geschichten schrieb sie an dieser am längsten. Rund drei Jahre hat es gedauert, bis sie mit der letzten Version ihres Buches zufrieden war. Vier andere Entwürfe hatte sie davor gemeistert, war aber jedes Mal unzufrieden und ließ nur ihre Lieblingsszenen bestehen, den Rest löschte sie. Und das war dann der Zeitpunkt, an dem ihre Freunde ihr zum Erfolg verhalfen: Eine Freundin von ihr las das Buch und schickte es, nachdem sie die Zweifel der Autorin beseitigen konnte, an ihren Agenten. Wie man sieht, hatte sie Erfolg.

Ich selbst habe das Buch durchgelesen und bin mehr als positiv überrascht. Ulla Scheler hat einen wundervollen Schreibstil und schafft es, mit ihren Worten eine Welt zu erschaffen, wie man es nur selten und auch nur bei guten Büchern erlebt.

Zusammengefasst handelt das Buch von zwei Personen, Hanna und Ben, welche soeben ihr Abi hinter sich gebracht haben. Nun sind sie “frei“ und können machen, was sie wollen. Doch wie man schon ahnen kann, läuft alles nicht so problemlos, wie gehofft: Kurz nach der letzten Abiturprüfung verschwindet Hannas bester Freund Ben für einen Monat und kommt auch erst einen Tag vor ihrem Geburtstag wieder zurück.

Streit ist ein ständiger Bestandteil ihrer Freundschaft, jedoch sind die beiden sich so nahe wie niemand anderem. Wieso dann der Streit? Beide sind sehr verschieden. Hanna denkt viel über die Gedanken anderer nach, versucht zu verstehen, was sie denken, und Sicherheit steht bei ihr weit vorneauf der Liste der Dinge, die ihr wichtig sind.

Ben hingegen versucht nicht, sich selbst durch die Gedanken anderer zu erkennen und zu finden.

Stattdessen baut er mit seiner breiten Persönlichkeit und einschüchternden Art sein eigenes Bild auf, welches er dann anderen präsentiert. Er sucht nach dem Sinn von Regeln und Gesetzen und wenn er ihn nicht findet, bricht er sie. Er liebt es zu schwimmen und auch seine Graffiti-Kunstwerke überall zu verteilen. Die Tatsache, dass es illegal ist, stört ihn nicht im geringsten.

Schließlich kommt es dazu, dass beide Charaktere, nun endlich volljährig, ihre Sachen packen und mit dem Auto in Richtung Norden fahren. Ans Meer. In der Zeit kommen sie sich näher als je zuvor, doch selbst dort scheint nicht alles so leicht zu sein. Eine furchteinflößende Legende soll an jenem Strand Unheil stiften, welches den Charakteren Unruhe bereitet. In gefährlichen Situationen spielt letztendlich auch Eifersucht eine Rolle und dank der hervorragenden Ausdrucksweise der Autorin, entwickelt die Geschichte sich zu einem interessanten Erlebnis mit unerwartetem Ende.

Ulla Scheler kann sich, ihren Worten zufolge, sehr gut mit den Charakteren identifizieren. Sie fragt sich genauso wie Hanna, was im Kopf anderer vorgeht und hinterfragt, genau wie Ben, den Sinn vieler Gesetze. Sie bezieht erfolgreich ihr Allgemeinwissen und ihre Leidenschaft in den Roman mit ein, sodass man beim Lesen des Werkes das Gefühl bekommt, als würde man nebenbei einen Blick in den Kopf von Ulla Scheler bekommen.

Die Geschehnisse und Personen sind wahrscheinlich deshalb so gut dargestellt, weil die Autorin für drei Jahre ein Psychologie-Studium belegt hatte, heute studiert sie Informatik.

Das Schreiben ist nur ein Hobby, dem sie mit großer Freude nachgeht. Sie hat auch schon mehrere neue Geschichten in Planung und begann bei einigen schon mit dem Schreiben. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnte, eine Trilogie zu schreiben, verneinte sie. Auch „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ wird keine Fortsetzung haben, da die Geschichte in ihren Augen beendet ist.

Eine weitere interessante Frage war, ob sie das Buch verfilmen lassen wollen würde, worauf sie sagte: „Natürlich! Aber zuerst müsste ich dann das Buch zu einem Drehbuch umschreiben, also einige Szenen umschreiben oder ganz raus nehmen. Manche Szenen könnte man bestimmt nicht so ,wie ich es mir vorstelle, verfilmen und sie würden ihren Charme verlieren. Das will ich nicht. Aber insgesamt, klar gerne!“

Schlussendlich will ich mich für die Möglichkeit, an dieser Lesung teilnehmen zu können, bedanken. Meine Klasse und ich konnten viele neue Erfahrungen sammeln und würden es jederzeit gerne wiederholen. Außerdem empfehle ich allen Interessierten das Buch, welches vom Heyne fliegt Verlag gedruckt wird, zu lesen. Wer es nicht kaufen kann oder will, hat die Möglichkeit, es in der Schiller-Bibliothek auszuleihen.

Und vielleicht könnt ihr eure Lehrer auch dazu überreden, an einer Lesung teilzunehmen?

Veronika M. , 9a

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